Silver Arrows nehmen Gastgeschenke dankend an

Herren

Vor wieder fast 400 Zuschauern zeigten die Stuttgart Silver Arrows am vergangenen Samstag, 11. August, in einem Quarter woraus Meister gemacht sind und münzten drei katastrophale Fehler der Kaiserslautern Pikes gnadenlos in 19 Punkte um. Von diesem Schock konnten sich die Pikes nur mühsam erholen und die Arrows bauten die Führung auf 32:0 auf, ehe die Gäste das Spiel bis zum Endstand von 39:22 attraktiver gestalten konnten. Mit einer Perfect Season beenden die Silver Arrows die reguläre Saison und bereiten sich jetzt auf die Playoffs vor. Am 16. September empfangen sie die Franken Timberwolves.

Petrus muss ein Football-Fan sein. Anders kann man es sich sonst nicht erklären, dass nach Tagen strömenden Regens, plötzlich der Himmel aufreißt und die Sonne auf die Stuttgart Silver Arrows herunterlacht. Den Wetterumschwung nutzten auch wieder fast 400 Zuschauer, um den neuen Meister der Regionalliga-Mitte im Spiel gegen den „alten“ Meister, die Kaiserslautern Pikes, anzufeuern. Aufgrund der letzten Spiele waren die Verantwortlichen äußerst vorsichtig mit Prognosen zum Spiel, aber gewinnen wollten die Silberpfeile auf jeden Fall, denn die Perfect Season, eine Saison ohne Gegenpunkte lockte.
Und die Hechte aus Kaiserslautern wollten wohl gute Gäste sein und packten zu Spielbeginn gleich die Gastgeschenke aus. War es Nervosität oder Übermotivation? War es die Anreise oder der Respekt vor den Hausherren? Es lässt sich nicht eindeutig bestimmen, aber in den ersten drei Versuchen der Pikes wurde jeweils direkt das Angriffsrecht durch einen Ballverlust abgegeben. Beim ersten misslang der Snap zum Quarterback Denis Rohleder und Allen Bridges reagierte am schnellsten. Die Offense um Manuel Lehniger konnte die gute Feldposition immerhin zu einem 21 Yard Fieldgoal von Alexander Hildebrandt verwerte. Den nächsten freien Ball sicherte Michael Gratzke und Lehniger ließ die Hechte mit einem 13 Yard Lauf-Touchdown bluten. Als dann noch Dirk Schmetzer beim Zusatzversuch den freistehenden Robert König bedienen konnte, bejubelten die Zuschauer nach wenigen Minuten bereits das 11:0.
Doch der Alptraum für Kaiserslautern sollte noch andauern. Nach einen guten Kickoff-Return bekam der Gäste Runningback das Ei, nur um es beim ersten Tackle direkt in die Arme von Tony Phillips zu werfen. Den anschließenden Angriff vollendete Lehniger mit einem 37 Yard Pass-Touchdown auf Dirk Schmetzer, der nach dem Fang einige Verteidiger Jahre älter aussehen ließ als der Haudegen selber auf dem Buckel hat. Bei dem Zusatzversuch tankte sich Schmetzer erneut in die Endzone und ohne überhaupt einen zweiten Versuch ausgespielt zu haben, lagen die Pikes bereits mit 0:19 deutlich im Rückstand. Die Hechte stellten die Angriffsformation um und auch wenn dies am Anfang noch nicht von Erfolg gekrönt sein sollte, sorgte es zumindest dafür, dass der Ball nicht zu spektakulär abgegeben wurde. Aber die Arrows können auch punkten, wenn sie das Feld überqueren müssen und so schloss Lehniger einen langen Drive mit einem 23 Yard Lauf-Touchdown zum 25:0 ab.
Dann wurden erstmals die Seiten gewechselt und kaum hatten die Pikes den Offensemotor am Laufen, schlug das Schicksal in Form von Jochen Alber bei Rohleder ein. Der Quarterback musste bei diesem Sack einen harten Hit einstecken und verlor prompt das Ei, das Ansgar Holthaus für die Man-in-Black sichern konnte. Kaum vor der Endzone angekommen lief Lehniger über 13 Yards auch schon hinein, doch die Schiedsrichter hatten einen Regelverstoß gesehen und der Touchdown zählte nicht. Das stachelte Lehniger nur noch an. Direkt im nächsten Versuch warf er einen Pass auf Robert Smith, den dieser sicher in der Endzone fangen konnte (PAT Hildebrandt). Hatten die Silberpfeile in der letzten Saison nach einer 21:7 Führung das Spiel in Kaiserslautern am Ende doch noch verloren, schien das 32:0 nun Vorsprung genug zu sein.
Doch Rohleder und seine Offense ließen Zweifel daran laut werden, denn in der Folge gelang ihnen ein schöner Drive, den Rohleder mit einem 15 Yard Pass auf Thomas Erb abschloss. Anschließend fand er im Zusatzversuch Jens Weise in der Endzone der Stuttgarter. 8:32 aus Sicht der Gäste war dennoch mehr als deutlich. Und doch schien dieser Touchdown die Pikes aufzubauen. Nach der Pause agierten sie konzentrierter und es war nur eine Frage der Zeit bis sich Lothar Guth über drei Yard in die Endzone wühlte. Erneut fand Rohleder Weise zum 16:32. Da waren es plötzlich nur noch zwei Touchdowns Differenz. Und die Arrows agierten unkonzentriert und fahrlässig. Fouls und Ballverluste, Unachtsamkeiten und ein gewisses Maß an Selbstzufriedenheit ließen die Gastgeber schwanken. Aber die Arrows stürzten dennoch nicht. Smith verwandelte im letzten Viertel einen herrlichen Pass in die Endzone auf Sergio De Pilla, der damit seinen Fumble beim Kickoff zur zweiten Halbzeit wieder mehr als ausglich (PAT Hildebrandt).
Nach dem 39:16 kontrollierten die Arrows Uhr und Gegner und erst als Hildebrandts Fieldgoal geblockt wurde und anschließend von Dominik Steiner über 70 Yard in die Endzone der Stuttgarter returniert wurde gelang noch einmal Ergebniskosmetik. Den anschließenden Onsidekick begrub jedoch ein Stuttgarter Spieler unter sich, so dass die Hausherren später durch Abknien die Uhr auslaufen und die Perfect Season gebührend feiern konnten.
Der feierliche Augenblick war dann, als der verletzte Quarterback Andreas Kohler zuerst die La-Ola der Spieler abhumpelte und dann den Pokal des Meisters aus den Händen von Marc Dressler, einem Verbandsvertreter, entgegennehmen durfte. „Das war emotional sicherlich der Höhepunkt heute“, bekannte sich auch Headcoach Jürgen Doh zu diesem Moment. Das Spiel selbst war auch schnell abgehakt. „Nach den ersten fünf Minuten haben einige gedacht, man könnte es jetzt lockerer angehen und ich bin froh, dass sich die Pikes noch einmal zusammengerauft haben, um uns etwas Feuer unter den Hintern zu machen. Damit hatten auch die Zuschauer ein packendes Spiel zu sehen bekommen.“
Nun erwarten die Silver Arrows als weiterer Höhepunkt die Aufstiegsspiele in die 2. Bundesliga. Gegner sind die Franken Timberwolves, die zuerst am 16. September als Gast im Stadion Festwiese sind, bevor die Arrows das Wochenende darauf nach Fürth reisen dürfen. „Natürlich wollen wir auch diese zwei Spiele gewinnen“, gibt Doh die Marschrichtung vor. Ob die Timberwolves den Arrows ebenfalls solch angenehmen Gastgeschenke präsentieren, wie die Pikes, muss jedoch bezweifelt werden.